Herzlich Willkommen auf Breitenbruch.de



Geschichte der Schützen


In unserer Dorf Chronik aus dem Jahre 2006 ist die Entstehung der Schützenvereine, durch Walter Schneider und Hans-Georg Schüttler, folgendermassen beschrieben:

"... das Fest der Feste, das bereits Monate zuvor angekündigt wurde:
noch 110 Tage, 78 Tage, 51 ... bildgeschmückt, heute im Auto. Da konnten und wollten auch die Breitenbrucher nicht abseits stehen.
Das Fest musste her, koste es noch so viel Mühe, Geld und Zeit, seien die Anfänge auch noch so bescheiden.
Aber dennoch, Volksfeste gut und schön,
Warum aber immer wieder Schützenfeste?
Was hatten Schützen dabei eigentlich noch zu suchen?
Eine interessante Frage. Aber woher hatten ausgerechnet „Schützen" solches Renommee? Schützengräben in Flandern und Frankreich waren bereits seit dem Ersten Weltkrieg Pejorative (abwertend) höchstens Grades.
Und der Schütze A. im letzten Glied, millionenfach, nicht minder.
Aber dennoch, überall auf diesen Festen beherrschen uns die Militaria der Preußen in Klang und Ausstattung:
Kompaniemäßig werden die Holzgewehre geschultert, Marschschritt und Ordnung sind fraglos geübt und akzeptiert.

Die Kopfbedeckungen, auch noch heute, mit klarem Hinweis auf Preußens glorreiche Zeiten:
Die Hüte im nördlichen Sauerland den Kolonialtruppen in Deutsch Süd-West-Afrika entlehnt: linker Hutrand kess am Kopf per Knopf befestigt, mit militärischem Emblem wie beim Reiterstandbild nahe der Christuskirche in Windhuk, heute noch zu sehen.
Diese Ausstaffierung übernahm Breitenbruch noch im Jahre 1950.
suedwest
Im südlichen Sauerland die stramme Schirmkappe des kommandierenden Generals von Einem in Münster 1910, im bleibenden Gedächnis
so vieler sauerländischer Burschen,
die dort vor dem Ersten Weltkrieg noch gedient hatten. Auch im 21. Jahrhundert keine Abstriche, nicht einmal beim Stechschritt der Offiziere,
selbst bei dicken Bäuchen unter Schweißausbrüchen vor dem König, wenn auch nur über zwanzig Meter noch möglich.
So noch 2005 in Olpe/Biggesee.
Die Urkatastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hätten das eigentlich beenden müssen.
So liegt es doch nahe. Mitnichten!
Die geschilderten Accessoirs kapselten sich ab, hafteten offensichtlich anderen weit zurückliegenden Ursprüngen dieses Schützenwesens an.
Und da kommen Überlegungen ins Spiel, die auf ein Ereignis hinweisen, das auf den 26.08.1346 zu Beginn des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England datiert ist,
der Schlacht von Crécy-en-Ponthien im Departement Somme, nördlich von Abbeville: Ein bestausgerüstetes französisches Ritterheer rückt gegen in Lauerstellung liegende englische Langbogenschützen an und wird aus einer Entfernung von 200 bis 300 Metern zusammengeschossen.
Bei den Waffen helfen die ritterlichen Kettenhemden nicht mehr. Für den Ritterstand eine verheerende Niederlage, die eine völlig neue Epoche in der Militärgeschichte einleitete,
wie das etwa die Panzertechnik im Ersten Weltkrieg tun sollte.
Die Schützen aus dem niederen Volk hatten sich als überlegen erwiesen.
Danach entstand ein neuer Handwerkszweig, ohne Gilde und Meisterqualifikation:
der Bogenmacher, Bogner oder Böger.
Gleichzeitig entstanden in nachfolgender Zeit Schützengesellschaften, von Brabant und Flandern ausgehend,
so in Dortmund (1378), Nottulm (1383), Breckerfeld (1396), Brilon (1412) und so fort. In dieser Zeit wurden schon Wehrübungen abgehalten,
von Festen, gekrönt, auf denen schon auf den Holzvogel geschossen
wurde, mit dem Bogen, der Armbrust und später dem Gewehr,
wie grafische Darstellungen aus dem 16. u. 17. Jahrhundert verdeutlichen.
Es gab aber auch wirklichen Bedarf an Schützen.
Die zunehmend stärkeren und selbstständiger werdenden Städte sahen die Möglichkeit
sich gegen durchziehende marodierende Heere zur Wehr zu setzen. Hinter hohen Stadtmauern, die meist erst Anfang des 19. Jahrhunderts geschleift wurden,
von Schützen besetzt, konnte so manche Belagerung und Brandschatzung vereitelt werden.
Im Dreißigjährigen Krieg und selbst noch im Spanischen Erbfolgekrieg waren Heere vieler Herrscher unterwegs,
die sich ohne Unterstützung ihrer Herren als Selbstversorger durchschlugen zu Lasten einer ausblutenden Bevölkerung:
15 Millionen Deutsche zu Beginn, 5 Millionen am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648.
Die Schützen jedenfalls hatten hohes Ansehen erworben, ein Schütze ein Schützer. All dies hat eine lange Tradition, mitbegründet bis in eine solch individuelle hinein:
„Weißt du noch, das tolle Fest damals."
  Revision: 22.08.2016 - 19:22 - © Sascha Hering Login